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Immer gewagter, wilder, aufregender!? |
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Bringt es uns wirklich mehr, wenn wir sexuell immer wieder etwas Neues ausprobieren? Wenn wir auf die Medien hören, dann muss das heute so sein, es genügt nicht einen Sexpartner zu haben. Nein, der Mann von heute muss, um up to date zu sein, mindestens neben seiner offiziellen Beziehung noch eine weitere, oder besser noch zwei nebenher haben. Das dürfen natürlich keine gewöhnlichen Hausfrauen sein, eine Sexsklavin oder ein Vamp, eine Hobbyhure oder Nymphomanin sollte es schon sein, um den allgemeinen sexuellen Ansprüchen zu genügen. Das will uns das Fernsehen, und die anderen Medien stehen da kaum nach, glauben machen. Klar, da steigt die Einschaltquote, wenn sich nach 24 Uhr zwei Damen im Fitnessstudio miteinander vergnügen oder in der Küche auf dem Küchentisch mehr als nur Kartoffeln geschält werden. Welcher Junggeselle, der da nachts nach erfolgloser Pirsch nach Hause kommt, überdeckt seinen Frust nicht noch gern mit ein paar aufregenden Bildern und Fantasien, bevor er allein unter die Decke kriecht?
Aber wir sollten lieber aufhören zu träumen und sollten uns einmal mit der Realität befassen. Bestimmt ist es bei den meisten Paaren schon einmal lauter und wilder als sonst zugegangen, manche besitzen sogar Handschellen oder andere frivole Sexspielzeuge, aber wie oft gebraucht man die nach der ersten Phase, als man sie neu angeschafft hatte?
Die Antwort lautet gar nicht mehr oder nur noch selten.
Ähnlich verhält es sich mit der Häufigkeit beim Sex. Während man anfangs täglich einige Male übereinander hergefallen ist und es dabei eigentlich egal war, wo man es getrieben hat, stellt sich mit der Zeit eine Gewöhnung ein. Dann ist es nicht mehr egal wo und wann es stattfindet, es muss dann schon bequem sein und darf nicht so anstrengen, schließlich muss man ja am nächsten Tag noch arbeiten.
Mit dem Sex verhält es sich ähnlich, wie mit einem Vertrag mit einem Fitnessstudio. Anfangs betreibt man beides täglich und möchte am Liebsten gar nicht aufhören. Nach einer Zeit, begnügt man sich mit 2-mal in der Woche, noch später ist 1-mal im Monat genug und zum Schluss reicht es einem, "dass man ja könnte wenn man wollte".
Die logische Konsequenz ist beim Sex wie beim Fitnessvertrag. Man muss einfach mal wieder hingehen bzw. man muss es einfach mal wieder tun. Es kommt ja nicht darauf an, dabei besondere akrobatische Kunststücke oder Leistungen zu vollbringen.
Wir sollten lieber einmal wieder die Zärtlichkeit füreinander entdecken, ganz wir selbst sein und das tun, was wir möchten. Dabei spielt es wohl weniger eine Rolle, dass es das Paar gestern Abend auf der Mattscheibe in allen möglichen Positionen und Varianten getrieben hat, wer weiß, wie oft die Einstellung abgedreht wurde, bis sie endlich so war wie es der Regisseur wollte.
Wenn sie jetzt also auf den Gedanken gekommen sind, dass es ja eigentlich einmal wieder ganz schön sein könnte mit dem Partner Sex zu haben, warum tun sie es dann nicht einfach?
Sagen sie es ihrem Partner einfach, dass sie Lust hätten, einmal wieder sehr zärtlich seinen Körper zu spüren, sie werden bestimmt nicht auf Ablehnung stoßen. Lassen sie allen Druck, dem sie glauben zu unterliegen, aus dem Schlafzimmer draußen und lassen sie den anderen fühlen, dass sie ihn lieben. Nicht weil er so tolle Leistungen im Bett bringt, sondern weil er diejenige Person ist, die sie lieben. Hören sie einfach nicht auf das, was uns Werbung und Medien ständig suggerieren, konzentrieren sie sich auf das Wir. Sie können dabei viel mehr Lust empfinden, als zum Beispiel das Sexakrobatenpärchen gestern Nacht auf dem Bildschirm.
Stimmt, es beherrschte perfekt alle Stellungen von denen sie nicht einmal wagen zu träumen, aber wenn wir ehrlich sind, zählt doch das Resultat und es ist besser in der Löffelchenstellung ungestört und bequem Sex zu genießen, als sich dem Stress aus zu setzen.
Davon abgesehen steht da auch immer in Frage, ob die neue, supergeile Stellung gefühlsmäßig das bringt, was uns mit den Bildern weiß gemacht werden soll? Oder gehören sie etwa zu den Menschen, die alles für wahr halten, was uns in manchen Sendungen oder gar in den Sexmagazinen vorgesetzt wird?
Um es einmal auf einen Punkt zu bringen, nicht die Häufigkeit oder die ungewöhnlichen Stellungen bringen die Befriedigung beim Sex, sondern das Gefühl und die Zärtlichkeit.
Hat man etwa weniger Spaß am Sex, wenn man ihn einfach, bequem und unspektakulär genießt, als wenn man sich ständig unter Druck setzt und es unbedingt noch steigern möchte?
War es denn das letzte Mal nicht schön und befriedigend?
Also warum immer mehr, immer intensiver, immer aufregender, immer öfter? Gerade mit dem öfter ist das so ein Problem. Tun es andere Paare nicht viel öfter Miteinander, als man selbst? Wenn man hier wieder auf die Medien hört, kommt man sich wie eine totale Niete vor. Aber um dies einmal in das rechte Licht zu rücken, eine Studie der Uniklink Hamburg hat ergeben: "Bei Menschen über 30 haben nicht etwa Singles den meisten Sex, nein, es sind Personen, die in einer festen Beziehung leben und die tun es durchschnittlich auch nur etwa drei Mal im Monat oder sogar weniger." Also steht es mit der Häufigkeit in Sachen Sex ja doch gar nicht schlecht. Und das obwohl jeder predigt, man soll spontan sein und einfach Liebe machen, wenn es einen überkommt. Aber mal ehrlich, wie oft überkommt es einen noch nach 2-3 Jahren harmonischer und befriedigender Beziehung? Wenn wir ehrlich sind kaum noch und wenn, dann ist es oft nur der Gedanke daran.
Also was spricht dagegen den Sex zu planen? Auch geplanter Sex hat seine Vorteile und kann sehr aufregend sein. Sie wären nicht die Ersten, die es auf diese Weise tun. Zum Beispiel die als heißblütig angesehenen Spanier, haben auch am meisten Sex zu festgelegten Zeiten.
Die spanische Gesellschaft für Sexologie hat festgestellt, dass 77 % zu festgelegten Zeiten Liebe machen, 52 % sogar den Wochentag festlegen und 86 % damit ein sehr glückliches Sexualleben führen. Also warum nehmen sie diese Anregung nicht auf und probieren es einmal?
Nur eines sollten sie dabei unterlassen - den Wecker zu stellen.
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