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Glücklich sein auf Abstand |
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Liebe auf Rädern
Harte Zeiten für Verliebte: Wenn die Jobs rar sind, hilft oft nur noch ein Umzug in eine andere Stadt. Diese ist zudem manchmal Hunderte von Kilometern entfernt. Aber es hat auch seine gute Seiten!
Ab und zu mal ein paar Tage getrennt zu sein und einfach mal wieder Zeit für sich selbst zu haben ist manchmal ganz schön und praktisch. Aber wenn das Getrenntsein Alltag ist?
Anstatt gemeinsam zusammen auf dem Sofa zu kuscheln, liegt jeder für sich auf dem Sofa, Hunderte von Kilometer von einander getrennt und die einzigen Streicheleinheiten kommen geflüstert aus dem Telefonhörer. Mittlerweile ist jede fünfzehnte Liebe eine Beziehung auf Distanz. In den USA gibt es sogar für solche Paare schon einen eigenen Namen: LATs – für „living apart together“.
Liebe auf Distanz: Wenn man die Perspektive hat irgendwann einmal ein gemeinsames Nest zu bauen, ist es auszuhalten. Es gibt sogar Vorteile hierbei: Etwa 1/3 der betroffenen Paare empfinden es als ideal, unabhängig zu sein. Denn so kann sie sich ganz um den Beruf kümmern und muss nicht noch abends kochen oder ähnliches und er kann sich in aller Ruhe seinen sportlichen Ambitionen hingeben – dass die Wochenenden dann ganz besonders intensiv, aufregend und sehr erotisch werden ist kein Wunder! Eigentlich ist eine Fernbeziehung gar nicht so schlecht und hat auch Vorteile. Der Einzelne lebt eigenverantwortlicher und selbstbewusster.
Die“Shuttle“ – Variante: Beide haben einen gemeinsamen Wohnsitz aber während der Arbeitswoche lebt einer oder gar beide am jeweiligen Arbeitsort. Für diese „Dual career couples“ kommen alle Stellenangebote in Frage, sei es nun in Bonn, Bremen oder Berlin. Der Nachteil ist, dass mindestens ein Teil das halbe Wochenende auf der Autobahn verbringt und auch einen nicht unerheblichen Teil seines Einkommens in den zweiten Wohnsitz steckt.
„Umzugsmobile“ – das sind Paare, die wegen ihres Jobs gemeinsam die Koffer packen.
Sie haben nur ein Problem! Das am selben Ort zur gleichen Zeit eine gute Arbeit zu bekommen. Meist halten diese Paare es so, dass wenn der besser Verdienende einen Job findet, der andere dann um der Liebe Willen seine Arbeit aufgibt und mitzieht.
Die meisten Fernbeziehungen halten nicht ewig, nicht weil die Liebe daran zerbricht, sondern weil man früher oder später doch eine Möglichkeit findet zusammen zu leben. Dann spielen sich keine sonntäglichen Abschiedsszenen mehr ab sondern die zwei Liebenden sitzen Hand in Hand im Wohnzimmer und alles ist okay. Nur eins war früher schöner - die Sehnsucht war viel größer und damit auch die Leidenschaft mit der man übereinander herfiel.
L(i)eben zwischen München und Hannover
Elke, 28, und Werner, 35, sind seit 2 Jahren ein Paar.
Die beiden lernten sich im Urlaub auf Mallorca kennen. Sie arbeitet in einer Boutique in Hannover und er ist Dozent an der Universität München.
Lohnt es sich für 2 Tage stundenlang im Zug zu sitzen?
Elke: Wir sehen uns nur alle 2-3 Wochen, diese Wochenenden sind dann um so aufregender und intensiver.
Werner : Wahre Liebe kennt keine Entfernungen.
Werdet ihr euch denn in der Zwischenzeit nicht fremd?
Werner: Wir chatten täglich miteinander und telefonieren drei bis vier mal während der Woche, vielleicht kommunizieren wir sogar mehr als manches normale Paar.
Elke: Es ist manchmal schon schwer, aber wenn die Sehnsucht zu groß wird dann schicke ich ihm eine SMS. Oder ich rieche an der Flasche mit seinem Rasierwasser die bei mir im Bad steht. Ich denk auf Dauer ist das kein guter Zustand und wir werden so schnell wie möglich zusammen ziehen.
Ist eure Liebe eigentlich größer wenn ihr so weit voneinander weg seid?
Werner Die Sehnsucht ist groß, unsere Liebe könnte gar nicht größer sein und es kann nicht schlecht sein den anderen zu idealisieren.
Doppelter Neustart statt Dauer-Shuttle
Karin, 27, und Marco, 26, sind seit fast fünf Jahren ein Paar.
Aus zwei getrennten Wohnungen in München zogen sie vor einem Monat zusammen nach Hamburg. Karin arbeitet jetzt als Redakteurin bei der einer Zeitschrift, Marco hat eine Ausbildung als Erzieher angefangen.
Wie kam es zu eurem gemeinsamen Move ans andere Ende der Republik?
Karin: Ich war Redakteurin bei einem Magazin in München, das eingestellt wurde. So wie es im Moment auf dem Arbeitsmarkt aussieht, muss man ja mobil sein. Ich wollte aber nicht ohne Marco weggehen und habe ihn gefragt, ob er mit in eine andere Stadt kommen würde. Er hat ganz schnell „ja“ gesagt. Dann kam das Angebot aus Hamburg.
Wart ihr geschockt?
Karin: Ich fand’s klasse – ist doch eine coole Stadt!
Marco: Der Schreck kam bei mir erst, als es ernst wurde, mit Sachen einpacken und verabschieden.
Dann war der Umzug also ein richtiges Opfer für die Liebe?
Marco: Na ja, insofern schon, als ich meine Freunde und meinen Baseballclub Hunderte von Kilometern hinter mir lasse. Aber ich hatte sowieso gerade mein Studium abgebrochen und war auf der Suche nach etwas Neuem. Vor vier Jahren ...
Karin: ... hätte ich einen Traumjob beim Radio in Köln haben können. Damals hat Marco sich total gesträubt, und ich habe seinetwegen verzichtet. Seitdem war klar, nächstes Mal muss er mit?
Marco: So offen haben wir das nie ausgesprochen. Aber ich bin schon der Meinung, wenn man eine Liebe langfristig anlegt, muss man für den Partner mal etwas in Kauf nehmen.
Fühlst du dich von Marcos Kompromissbereitschaft auch unter Druck gesetzt, Karin?
Karin: Ich fühle mich enorm verantwortlich dafür, dass es ihm hier gefällt. Manchmal habe ich seinetwegen schon ein schlechtes Gewissen, wenn es regnet, während in München die Sonne scheint.
Marco: Musst du aber nicht, und das weißt du auch. Es war meine eigene Entscheidung, mit hierher zu ziehen, und dafür trage ich auch die Verantwortung.
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