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Hilfe ich bin ihm hörig! |
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Hörigkeit, Liebessucht, Beziehungssucht und Abhängigkeit sind eine große Themenpalette in heutigen Beziehungen. Laut Statistik sind ca. 900.000 Deutsche in einem Hörigkeitsverhältnis, die Dunkelziffern sollen etwa 2-mal so hoch sein.
Abhängigkeiten entstehen in jeder Beziehung und gehören bis zu einem gewissen Grad sogar zu unserem Liebesideal. So sind z. B. Aussagen wie "Ich tue alles für Dich", "Ich bin nichts ohne Dich" höchste Liebeserklärungen und beinhalten doch die Möglichkeit der Selbstaufgabe.
Früher wie auch heute sind Abhängigkeiten durchaus gesellschaftlich erwünscht, schließlich tragen diese Verhältnisse durchaus zu einer Stabilität der Partnerschaften bei.
Die Hörigkeit wird von Betroffenen als ganz normale Liebesbeziehung interpretiert. Sie entsteht in einem langen Prozess, indem der Betroffene seinen eigenen Willen ablegt und nur noch für seinen Partner lebt und sich aufopfert. Die Betroffenen selbst erkennen erst sehr spät, in welcher Situation sie sich befinden und schaffen ihr Problem meistens nur mit Hilfe von außen zu bewältigen.
Typisch für ein solches Verhältnis ist es meistens, dass es nicht auf Gegenseitigkeit beruht, vielmehr ordnet sich die hörige Person dem Partner unter, was dieser nicht selten ausnutzt. Zum größten Teil wird diese Beziehung nicht mit der Absicht eingegangen, den Hörigen auszunutzen, aufgrund der Persönlichkeitskonstellation der jeweiligen Partner entwickelt sich dieses schleichend.
Der hörige Part idealisiert und verehrt seinen Partner und hat das Bedürfnis, ihm jeden Wunsch zu erfüllen und seine Bedürfnisse extrem zu reduzieren.
Ein weiteres charakteristisches Merkmal von Hörigkeitsbeziehungen ist auch die Teilnahmslosigkeit der verehrten Person, was zwangsläufig zu Abweisungen und Demütigungen führt, die der Hörige als unabwendbar und scheinbar unbelehrbar in Kauf nimmt. Zur Situation des hörigen Menschen gehört auch, dass er sich nicht mehr aus eigener Kraft lösen kann und hilflos in der psychischen Abhängigkeit von einem anderen Menschen oder auch einer Gruppe bleibt.
Sarah (32) aus Bunsental war über 6 Jahre einem Mann hörig, den sie abgöttisch geliebt hatte. Sie hatte ihren Traummann nach einer langen Zeit des Singledaseins kennen gelernt und eine wirklich traumhafte, romantische Beziehung erlebt. Sie und ihr Partner Thorsten zogen nach drei Monaten in eine gemeinsame Wohnung, um ihr gemeinsames Glück noch viel intensiver auszuleben. Nachdem die beiden schon über ein halbes Jahr Bett und Tisch geteilt hatten, wurde Sarah durch den Konkurs ihres Arbeitgebers arbeitslos. Ihre Beziehung zu Thorsten fing an zu kriseln und Schuldgefühle, nicht mehr den gleichen Beitrag in die Beziehung einbringen zu können, machten sie abhängig.
"Als ich meine Kündigung bekam, war das ein harter Schlag ins Gesicht. Am gleichen Tag erzählte ich es Thorsten, worauf es gleich den ersten Zoff wegen dem Geld gab. Er wollte ja noch seine Meisterschule machen, die viel aber jetzt flach, weil das Geld durch das bisschen Arbeitslosengeld das ich beisteuern konnte, nicht reichte. Ich fing an mir Vorwürfe zu machen und versuchte ihm bei jeder guten Gelegenheit behilflich zu sein, damit er mit mir keine Last hatte. Das ging ungefähr zwei oder drei Monate lang so. Unsere Beziehung war eigentlich nur noch frustrierend und es ging immer nur um das Thema Geld, bis ich eine neue Stelle gefunden hatte.
Das Gehalt was ich bezog, war sogar 200 EUR mehr als bei meinem alten Arbeitgeber. Thorstens Stimmung war wieder gut und ich hatte mein schlechtes Gewissen einigermaßen begraben und dachte eigentlich, dass ich auch wieder ein bisschen an mich denken kann. Mit meinen neuen Kolleginnen hatte ich mich ein paar Mal verabredet, um einen netten Frauenabend zu haben. Allerdings machte mir Thorsten einen Strich durch die Rechnung. Durch die Zeit, in der ich arbeitslos war, hatte ich das Gefühl, ihn doch zu sehr verwöhnt zu haben.
Wir hatten einige Male heftigen Streit und immer wieder ließ er verlauten, das es auch noch andere Frauen gäbe, die scharf auf ihn sind und sich nicht so benehmen, wie ich es tun würde.
Es brachte mich zum Grübeln und ich hatte Angst durch Fehltritte meinerseits die Beziehung zu zerstören. Also blieb ich lieber zu Hause und spielte die liebevolle Frau.
Zum Schluss war es so, das wenn er rief, ich prompt neben ihm stand und nur noch darauf wartete, was er von mir wollte.
Egal ob es Sex war oder irgendwas anderes, ob ich Lust hatte oder nicht, es war mir egal. Ich hab es einfach über mich ergehen lassen, weil ich ihn nicht verlieren wollte. Zu meinen Freunden und Freundinnen habe ich durch mein Verhalten den Kontakt verloren. Zum Schluss, als es dann richtig krachte und er mir verkündet hatte, dass er eine neue Frau kennt, mit der er glücklicher wäre, stand ich ganz alleine da.
Da ist für mich eine Welt zusammengebrochen, schließlich hatte ich ja alles versucht, um ihn halten zu können."
Seit vier Monaten ist Sarah jetzt in einer therapeutischen Gruppe um ihre Verlustängste in den Griff zu bekommen und damit sie später nicht nochmal den gleichen Fehler begeht.
"Die Gruppe hilft mir ungemein, mit den Leuten aus der Gruppe treffe ich mich auch ab und zu mal in der Freizeit, gehe mit ihnen einen Kaffee trinken oder ins Kino. Das gibt mir ein bisschen halt, nicht ganz allein zu sein.
Falls ich mich noch einmal verlieben sollte, dann werde ich sicherlich nicht den gleichen Fehler begehen. Denn aus den sechs Jahren habe ich eine Menge gelernt. Zu viel Liebe macht einfach krank."
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